Nordre Vartdal – 18.-20. Mai 2019
Da die wunderschöne Landschaftsroute Geiranger/Trollstigen mittlerweile vom Schnee geräumt wurde und nun offen ist, beschloss ich wieder in diese Region zurück zu fahren. Torsten aus Nordre Vartdal bot mir an, wieder bei ihm übernachten zu können. Also nahm ich die rund 6h lange Fahrt zurück nach Nordre Vartdal auf mich. Ich fuhr entlang der E6 südwärts bis nach Oppdal. Dann bog ich ab und fuhr durch das Sunndalen, welches sich zwischen dem Trollheimen Nationalpark und Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark befindet. Eine atemberaubende Szenerie bot sich mir, da sich aufgrund der Schneeschmelze unzählige Wasserfälle rechts und links ins Tal ergossen. Ich gab dieser Fahrt den Namen «Tal der weinenden Berge». An deren Ende traf ich auf den Tingvollfjorden. Die Strasse führte mich weiter entlang des Langfjords bis nach Åndalsnes, wo ich einen kurzen Tank- und Einkaufsstopp einlegte. Torsten schrieb mir in der Zwischenzeit, dass ihre schwangere Katze gerade die Babys auf die Welt gebracht hatte. Diese süsse Nachricht motivierte mich für die restliche Strecke. Bei Vike befuhr ich die Brücke über den Tresfjorden. Die letzte Etappe war die Fähre von Solavågen über den Storfjorden nach Festøya. Kurz darauf empfing mich Torsten sehr herzlich und zeigte mir die süssen Katzenbabys. Ich richtete mich wieder im ehemaligen Milchraum ein und ging bald schlafen, da ich sehr müde von der langen Fahrt war.
Ein gemütlicher und sonnenreicher Sonntag stand bevor. Torsten und Astrid luden daraufhin die Nachbarn und mich zum grillen ein. In gemütlicher Runde assen wir die auf dem Feuer gegrillten Hotdogs und schwatzten ein wenig. Ich durfte im Anschluss wiederum mit dem ATV eine kurze Runde drehen, was mir sehr Spass machte. Gegen Abend plauderten wir noch ein wenig in Torstens Wohnzimmer und schauten der Katzenmama zu, wie sie sich zärtlich um ihre Babys kümmerte. Als Entschädigung für die Übernachtungen, wollte Torsten lediglich, dass ich ihn am nächsten Tag von der ATV Werkstatt wieder zurück zum Hof fahre. Eine überaus grosszügige Geste von ihm, was ich sehr schätzte. Ich bereitete noch das lang geplante Päckchen für Paula aus Geilo vor, um es mit Torsten zusammen gleich noch versenden zu können.
Lesja – 20.-22. Mai 2019
Heute war es soweit und ich machte mich auf den Weg zur Landschaftsroute Geiranger/Trollstigen. Ich freute mich ausserordentlich, da es doch noch möglich wurde, während meiner Reise diese wunderschöne Strecke fahren zu können. Ich fuhr also los Richtung Stryn um anschliessend den Abzweiger nach Geiranger zu nehmen. Nach der verschneiten Passstrasse gelangte ich an die unzähligen Aussichtspunkte, welche mir eine schöne Sicht auf den Geirangerfjord und das kleine Dörfchen Geiranger ermöglichten. Im Dorf machte ich eine kleine Pause und spazierte mit einem Glacé durch die Hauptstrasse mit den vielen kleinen Touristenläden. Anschliessend ging es weiter nach Eidsdal und mit der Fähre über den Norddalsfjord nach Linge. Die Strecke durchs verschneite Valldal war wiederum spektakulär bis ich anschliessend oberhalb des Trollstigen stand. Ich parkierte mein Auto und machte mich auf den Weg zum Aussichtspunkt. Dabei überquerte ich einen glasklaren Bergbach, welcher anschliessend neben dem Trollstigen ins Tal hinunterstürzte. Die Aussicht bei bestem Wetter war unglaublich und eine der schönsten die ich bisher in Norwegen hatte. Ich machte einige Fotos und setzte mich anschliessend hin um die Sicht auf mich wirken zu lassen. Dann kam die Fahrt auf dem Trollstigen hinunter ins Tal. Dabei passierte ich den Wasserfall und die unzähligen Kurven. Von Åndalsnes ging es durch das Romsdalen mit Blick auf die mächtigen Berge des Trollsveggen nach Lesja. Dort wurde ich beim Airbnb von Ilse herzlich begrüsst. Ich feuerte den Kamin an und ass gemütlich mein Abendessen, während ich die Wanderung für den kommenden Tag plante.
Für die Wanderung im Rondane Nationalpark fuhr ich nach Otta und anschliessend hoch nach Mysusæter. Ich parkierte beim dortigen Hotel und fragte um Erlaubnis. Den Wagen durfte ich den ganzen Tag dort gratis stehen lassen, sofern ich bei meiner Rückkehr einen Kaffee trinken komme, was ich natürlich bejahte. Die Wanderung führte mich durch den Wald und vorbei am mehrstufigen Ulafossen. Anschliessend lief ich entlang des Flusses weiter, bis ich beim Brudesløret ankam. Der dortige Wasserfall ergiesst sich vom Plateau hinunter ins Flussbett, welches sich durch Jahrtausende hinweg in die Landschaft gefressen hatte. Ich verweilte etwa eine Stunde dort, ass etwas kleines und machte Fotos. Danach lief ich wieder zurück zum Hotel. Den Kaffe bekam ich zum halben Preis, weil das Personal mehr Interesse an meinen Münzen hatte, als dass sie den vollen Betrag einkassieren wollte. Die gesamte Wanderung nahm inklusive Pause etwa 4 Stunden in Anspruch und hatte so gut wie keine Steigung. Eine leichtere Wanderung im Gegensatz zu den Bergwanderung die ich bisher unternahm. Ich fuhr anschliessend zurück zum Airbnb und traf dort auf Ilse. Sie legte mir ans Herz, gegen den späten Abend einer speziellen Strasse entlang zu fahren, da es dort Elche zu sehen gibt. Ich fuhr also nach dem Abendessen um ca. 11 Uhr nochmals los und traf auf viele Rehe und vereinzelt auch Elche. Ein schönes und beeindruckendes Erlebnis, da ich noch nie zuvor Elche gesehen hatte. Es sind anmutige und wirklich grosse Tiere mit langen Beinen und grossen Köpfen. Zurück im Airbnb schrieb ich noch mit den Frauen aus Holland, welche ich in Lom auf der Wanderung getroffen hatte. Sie boten mir an, bei ihnen in Lillehammer übernachten zu können. Anschliessend ging ich schlafen.
Lillehammer – 22.-23. Mai 2019
Bente und June, die beiden Studentinnen aus Lillehammer, konnten mich erst am späten Abend empfangen. Also fragte ich Ilse, ob ich das Checkout verlängern durfte. Weil sie keine weiteren Gäste in Aussicht hatte, durfte ich so lange bleiben wie ich wollte. Ich verbrachte den Tag bei regnerischem Wetter drinnen und arbeitete ein wenig am Macbook. Anschliessend machte ich mich auf den Weg nach Lillehammer. Ich entschied mich den Umweg über die Rondane Landschaftsroute zu fahren, da ich genügend Zeit hatte und die Strecke sehen wollte. Ich bog also in Dombås ab und fuhr entlang des Dovre Nationalparks bis zum nächsten Abzweiger in Hjerkin. Die Fahrt entlang des Dovrefjell war spannend, da sich die Lichtverhältnisse durch die leichte Bewölkung stetig änderten und das moosüberzogene Hochplateau immer wieder überraschend anders aussah. Ab Folldal befand ich mich auf der abwechslungsreichen Landschaftsroute. Ich fuhr durch kahle Mooslandschaften, Nadelwälder und surreales Gebirge. Trotz des immer wieder einsetzenden Regens, war die Sicht in Ordnung. Die Landschaft erinnerte mich stark an das Hochland in Island, aufgrund des ähnlich gefärbten Gesteins und der unterschiedlichen Grün- bis Braun- und Grautöne. Nachdem ich die Landschaftsroute verlassen hatte, fuhr ich durch eine anhaltende Nebelsuppe bis nach Lillehammer. Dort begrüssten mich Bente und June sehr herzlich in ihrer Studentenwohnung, einem langzeitgemieteten Airbnb. Ich durfte bei ihnen auf dem Bettsofa schlafen und kam in den Genuss meines ersten Couchsurfing Erlebnisses. Wir plauderten noch lange in die Nach hinein, hauptsächlich über unsere Erlebnisse hier in Norwegen.
Wir schliefen sehr lange und assen etwa gegen 2 Uhr nachmittags Frühstück. Danach fuhren wir kurz zu Studentenkollegen der beiden und holten dort ein Slackline, welches wir anschliessend im nahegelegenen Park aufspannten. Es war das erste Mal, dass ich ein Slackline ausprobieren durfte. Nach mehrmaligen Versuchen, schaffte ich es bereits vom einen Ende des Baumes bis zum anderen zu laufen. Diese Erfolgserlebnis hielt sich lange noch in meinem Kopf, weshalb ich mich entschloss, das Slacklinen bei meiner Rückkehr in der Schweiz weiterzuführen. Gegen den frühen Abend verabschiedete ich mich von den zwei Holländerinnen und machte mich auf die langweilige und von Baustellen übersäte Fahrt auf der Autobahn zum Osloer Flughafen. Dort checkte ich ins vorab gebuchte Flughafen Hotel Comfort Runway ein und bediente mich noch am all-you-can-eat Pizza Buffet. Anschliessend wurden die Sachen gepackt für meinen Wochenendtrip nach Budapest.