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19. Mai 2019

Hareid – Kristiansund – Trondheim

Hareid – Kristiansund – Trondheim
19. Mai 2019

Hareid – 12.-14. Mai 2019

Den Sonntag verbrachte ich nochmals mit viel Kaffee und spannenden Unterhaltungen mit Torsten. Mit der kleinen Hannah machte ich noch ein Perlenbild, was ihr viel Spass bereitete. Mit einem gemeinsamen Selfie verabschiedete ich mich gegen den frühen Abend und fuhr die relativ kurze Strecke nach Hareid auf der anderen Seite des Fjords. Dabei passierte ich den 7.8km langen Eiksundtunnelen. Mit einer tiefe von 287 Meter unter dem Meeresspiegel ist er der tiefste Unterseetunnel der Welt. In Hareid angekommen begrüsste mich Krister, der schwule Host meines Airbnbs. Ich wählte dieses Airbnb, da ich nicht mit dem Auto nach Ålesund fahren wollte und es von Hareid mit dem Expressboot erreichbar war. Krister war sehr nett und erzählte mir die Geschichte von Ålesund und welche Sehenswürdigkeiten ich dort besuchen soll. Wir planten auch noch die Weiterfahrt nach Kristiansund am darauf folgenden Tag. Anschliessend ging ich schlafen, da ich den nächsten Tag vollständig nutzen wollte.

Das Wetter war wieder sonniger und wärmer geworden als in den letzten Tagen. Beste Voraussetzungen für mein Sightseeing in Ålesund. Krister begleitete mich noch runter zum Hafen, da er sowieso einkaufen musste. Ich fuhr anschliessend mit dem Expressboot in etwa 20min rüber. Es war eine schöne Fahrt mit Aussicht auf die umliegenden Inseln und das offene Meer. Nach der Ankunft entschied ich mich, das gute Wetter zu nutzen und gleich die 418 Treppenstufen auf den Aksla, Ålesunds Hausbberg in Angriff zu nehmen. Das Treppensteigen viel mir nicht sonderlich schwer und die Aussicht von oben auf die Stadt und das Meer war grandios! Ich hatte Glück und erwischte das Zeitfenster zwischen den Touristenbussen und konnte den Ausblick fast alleine geniessen. Ich ging die Treppe wieder runter und machte mich auf den Fussmarsch zum Atlanterhavsparken, das berühmte Aquarium direkt am Meer. Mein erster Aquariumsbesuch stellte sich als sehr spannend und lehrreich heraus. Es gab viele verschiedene lokale Fisch- und Krebsarten zu bestaunen und ich konnte bei der Seehundfütterung zusehen. Die teilweise meterlangen Fische wurden in riesigen Tanks gezeigt, was sehr beeindruckend war. Ich hatte keine Vorstellung davon, dass die Fische so gross werden können. Nach meinem Besuch setzte ich mich noch eine kurze Zeit ans Meer und schaute den brechenden Wellen zu, bis ich mich wieder auf den Rückweg in die Innenstadt machte. Dort schlenderte ich noch ein wenig durch die Gassen. Sämtliche Gebäude waren im Jugendstil gebaut, da sie 1904 fast gänzlich von einem Brand zerstört wurde und der anschliessende Aufbau überall zeitgleich stattfand. Die Express-Fähre beförderte mich wieder zurück nach Hareid. Nach dem Abendessen im Airbnb plauderte ich nochmals mit Krister und plante die nächsten Tage.

Kristiansund – 14.-16. Mai 2019

Da Krister keine weitern Gäste erwartete, konnte ich ausschlafen. Ich packte kurz nach dem Mittag meine Sachen, ass etwas kleines und machte mich auf den Weg nach Kristiansund. Zuerst überquerte ich mit der Fähre den Breisundetfjord von Hareid nach Sulesund. Nach einer kurzen Weiterfahrt war die nächste Fähre dran. Dieses Mal ging es von Vestnes über den Moldefjord nach Molde. Kurz darauf nahm ich einen Umweg in die Region Fræna auf mich, um mir die Trollkyrkja (485 m.ü.M), eine Höhle mit Wasserfällen anzuschauen. Diesen Tipp hatte mir Krister am Tag zuvor gegeben. Am Parkplatz angekommen hatte ich noch eine kurze Unterhaltung mit einem dem deutschen Reisenden Matthias. Für die anschliessende kurze Wanderung war ich höchstmotiviert und war nach einer knappen Stunde vor dem Höhleneingang. Der Weg hinauf führte entlang eines ausgetrockneten Bachbetts mit mehreren Bachüberquerungen. Kurz vor der Höhle musste ich mir den Weg anhand der Fussspuren im Schnee suchen. Ich war völlig alleine und konnte mir die Höhle in aller Ruhe anschauen. Es war etwas schwierig sich nur mit der Stirnlampe durch den wasserdurchfluteten Tunnel zu hangeln. Doch nach 70 Metern erreichte ich den ersten beeindruckenden Wasserfall. Von Matthias bekam ich den Hinweis, mich nach diesem Wasserfall durch eine schmale Öffnung zu drücken um einen noch schöneren Wasserfall erreichen zu können. Ich fühlte mich wie ein Abenteurer während ich die Höhle weiter erforschte. Der besagte zweite Wasserfall war umwerfend und jede Mühe wert. Ich genoss die Aussicht und ass meinen Proviant den ich dabei hatte und begab mich auf den Abstieg, denn ich musste noch eine Weile fahren bis nach Kristiansund. Die Fahrt ging kurze Zeit später auf der berühmten Landschaftroute Atlanterhavsveien weiter. Die Strasse ist berühmt für die vielen gewundenen Brücken direkt an der Atlantikküste. Es war speziell diese Strecke bei gutem Wetter zu fahren, jedoch erlebt man bei Sturm und Regen das richtige Ambiente für eine abenteuerliche Fahrt. Ich machte etwa in der Hälfte einen kurzen Stopp und schoss ein paar Fotos. Am Ende der Atlantikstrasse ging die Fahrt durch den 5.8km langen Unterseetunnel Atlanterhavstunnelen, welcher am Ende direkt bei Kristiansund herausführt. Ich bezog mein wunderschönes Airbnb, welches direkt am und mit Stelzen ins Meer gebaut war und ass etwas kleines bevor ich zu Bett ging.

Der nächste Tag war sonnig und warm. Ich verbrachte jedoch den Tag mehrheitlich im Haus bzw. auf der Terasse und entspannte ein wenig. Der letzte Tag war doch sehr anstrengend mit der Wanderung und der langen Fahrt. Gegen den späten Abend beschloss ich jedoch, trotzdem noch einen Spaziergang zu machen. Vom meinem Airbnb, auch Rorbu (saisonal genutztes Fischerhäuschen) genannt, konnte ich direkt zum nahegelegenen Wald Kleppen laufen. Dort befand sich eine alte Bunkerruine, von wo aus ich den Sonnenuntergang sehen und fotografieren wollte. Leider machte mir kurz bevor die Sonne den Horizont erreichte, der rasant aufkommende Nebel einen Strich durch die Rechnung. Binnen Minuten sah ich nichts mehr ausser einer dichten Nebelwand. Also packte ich meine Kamera wieder ein und machte mich auf den Rückweg. Zurück im Rorbu gabs noch Abendessen und etwas Zeit am Computer bevor ich mich schlafen legte.

Trondheim – 16.-18. Mai 2019

Vor mir lag die 3.5h lange Fahrt nach Trondheim. Bei schönstem T-Shirt Wetter machte ich mich auf den Weg. Ziemlich bald fuhr ich durch den nächsten Unterseetunnel dem Freifjordtunnelen hindurch und fand mich auf der Insel Bergsøya wieder. Anschliessend ging die Fahrt über die schöne Bergsøysundbrua, bei welcher ich auch einen kurzen Stopp einlegte um den Fischern auf der Brücke ein wenig zu zusehen. In Kanestraum setzte ich mit der Fähre über den Freifjord nach Halsa über. Die Landschaft auf der Weiterfahrt war weniger spektakulär, als ich es von West-Norwegen gewohnt war. Auf einer weiteren Raststätte durfte ich einem asiatischen Pärchen helfen, ihr GPS im Leihwagen korrekt einzustellen. Irgendwann bekam ich Lust auf ein Glacé und machte in einem kleinen Dorf halt. Das einzige aufregende Ereignis war kurze Zeit später ein Tanklastzug, welcher mich auf der Überlandstrasse mit etwa 100 Sachen überholte. Für mich unverständlich, da ich bereits 90kmh anstelle der erlaubten 80kmh fuhr… Kurz vor Trondheim wurde die Strecke richtig langweilig mit sehr vielen Tunnels und viel Verkehr. Die Ankunft beim Airbnb von Ellen war dafür sehr herzlich. Die Wohnung lag nicht weit vom Stadtzentrum Trondheim entfernt und war cool eingerichtet. Ich kochte einen leckeres Abendessen und entspannte für den Rest des Abends.

Ich war etwas aufgeregt für den heutigen Tag. Es waren die Feierlichkeiten für den 17. Mai, dem Constitution Day oder Verfassungstag genannt. Es ist der grösste Nationalfeiertag Norwegens und dementsprechend sehr viel Los in der Innenstadt. Aber genau deswegen wollte ich in einer Grossstadt wie Trondheim sein, damit ich die Paraden und Leute in ihrer ganzen Pracht erleben konnte. Ich zog meine schönsten Sachen an (Jeans und Hemd) und machte mich zu Fuss auf den Weg ins Zentrum. Überall auf den Strassen waren bereits Leute anzutreffen. Ausnahmslos alle in sehr stilvollen und festlichen Kleidern. Die Männer hatten Anzüge an und die Frauen trugen sogenannte Bunard, eine Art Tracht, welche sich von Region zu Region unterscheidet. Sie waren dazu noch geschmückt mit traditionellem Silberschmuck. Alles sehr schön anzusehen und die Stimmung unter den Leuten war grossartig. Ich schlenderte durch die Strassen und platzierte mich in der Nähe des Nidarosdoms für die allgemeine Parade. Etwas später am Nachmittag fand noch die spezielle Parade der Russ statt. Das sind die Teenager (zwischen 17 und 20), welche das Gymnasium (Kantonsschule) dieses Jahr abschliessen werden. Es ist eine über 100 jährige Tradition der sogenannten Russetiden. In den drei Wochen vor den Abschlussprüfungen, feiern die Teenies tagtäglich sehr ausgelassen, tragen farbige Overalls, verteilen Russekort (eine Art Visitenkarte), trinken viel Alkohol und fahren in umgebauten Partybussen oder Vans mit lauter Musik herum – Party Hard also. Am 17. Mai endet diese Zeit und anschliessend werden sie zwei Wochen lang Abschlussprüfungen haben. Sie feiern dementsprechend vor den Prüfungen. In meinen Augen etwas sehr tolles, da es von der Bevölkerung gutgeheissen wird (die Eltern waren schliesslich auch mal Russ) und die Vorbereitungen dafür bereits bis zu drei Jahre vorher beginnen. Im Anschluss an diese Streetparade ähnliche Parade lief ich wieder zurück zum Airbnb und genoss von dort noch den wunderschönen Sonnenuntergang auf der Terrasse.

Über dieses Tagebuch

Das ist mein digitales Reisetagebuch aus Norwegen. Ich fahre von April bis Juni 2019 durch ganz Norwegen – vom Süden bis in den hohen Norden. Wöchentlich schreibe ich einen Tagebuch-Eintrag über meine Erlebnisse und halte meine Eindrücke in der Foto-Galerie fest.
Viel Spass beim anschauen!

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© 2019 – Michael Egger