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12. Mai 2019

Førde – Bøverdalen – Nordre Vartdal

Førde – Bøverdalen – Nordre Vartdal
12. Mai 2019

Førde – 04.-06. Mai 2019

Ich fuhr bei sonnigem Wetter los Richtung Førde. Meine Fahrt sollte ca. 5.5h in Anspruch nehmen, da ich den Umweg entlang der Gaularfjellet Landschaftsroute fahren wollte. Kurz nach Bergen überquerte ich den Osterfjord über die Nordhordlandsbrua. Bei Ytre Opedal durfte ich eine Fährenfahrt über den Sognefjord, Europas längster und tiefster Fjord, nach Lavik geniessen. Anschliessend ging es weiter entlang des malerischen Sognefjord, durch den 7.5km langen Høyangertunnelen nach Balestrand, wo die Landschaftsroute beginnt. Nach einer kurvenreichen Passstrasse stieg ich beim Gaularfjellet Utsikten Rastplatz (ca. 700 m.ü.M) aus und hatte eine etwas neblige Aussicht auf die umliegenden Berge. Auf dieser Höhe war die Landschaft weitestgehend verschneit. Ich folgte der Strasse bis zum Likholefossen, einem Wasserfall mit Fussgängerbrücke oberhalb der Fallkante. Dort machte ich eine Pause und drehte eine kleine Runde zu Fuss in der Natur. Den nächsten kurzen Halt machte ich beim Vallestadfossen, aber nur um ein paar Fotos zu schiessen. Anschliessend kam ich in Førde beim Airbnb von Britt und Odd an. Nach einem kurzen Abendessen ging ich müde von der langen und erlebnisreichen Fahrt ins Bett.

Ich schlief lange aus, denn es war mein geplanter Ruhetag. Nach einem gemütlichen Brunch, packte ich meine dreckigen Kleider und ging in die Waschküche. Dort traf ich auf Britt, welche mich kurzerhand zu ihr und ihrem Mann Odd ins Wohnzimmer einlud. Wir plauderten ein wenig und ich erhielt wertvolle Tipps für meine Weiterfahrt. Sie sind leidenschaftliche Wanderer und rieten mir, einen Abstecher ins Nationalparksgebiet im Landesinneren zu machen. Ich folgte ihrem Rat und buchte anschliessend ein Airbnb in Bøverdalen, umgeben vom Jostedalsbreen, Breheimen und Jotunheimen Nationalpark. Anschliessend hing ich meine Wäsche auf und schrieb noch ein wenig an meinem Tagebuch.

Bøverdalen – 06.-09. Mai

Die Fahrt nach Bøverdalen stellte sich als einer meiner erlebnisreichsten Fahrten in Norwegen heraus. Ein Highlight folgte dem anderen, beginnend beim wunderschönen Jølstravatnet. Anschliessend ging es durch den 6.4km langen Fjærlandstunnelen, welcher unterhalb des Jostedalsbreen verläuft und somit der weltweit einzige Tunnel unterhalb eines Gletscher ist. Direkt am Ende des Tunnels bog ich ab, um mir den Gletscherarm Bøyabreen anzuschauen. Man konnte ihn vom Parkplatz aus bestaunen, was völlig ausreichte und mir einen Fussmarsch ersparte. Die Strasse führte vorbei am bezaubernden Dorf Sogndal und entlang des Lustrafjords, wo die Sognefjellet Landschaftsroute beginnt. Die darauffolgende Route kletterte immer höher in die Hurrungane Gebirgslandschaft hinauf bis man anschliessenden über Nordeuropas höchster Passstrasse (1434 m.ü.M) fuhr. Es waren nur noch verschneite Berge zu sehen. Kurz darauf begann sich die Landschaft mit jedem Kilometer dramatisch zu verändern. Es wurde felsiger, zerklüfteter und eine Vielfalt an Grau- und Brauntönen malten die Umgebung. Die Strasse neigte sich langsam vom Leirdalen ins Bøverdalen hinunter. Wälder wurden sichtbar und hie und da sah man einen Bauernhof. Auf keiner der bisherigen Fahrten hielt ich so viele Male an, um Fotos zu machen oder einfach nur die Landschaft in Ruhe wirken zu lassen. Bei der Ankunft beim Airbnb von Lorenzo, welche sich mit wenigen anderen Blockhütten am Waldhang befand, liess ich mich von ihm zu meinen geplanten Wanderungen beraten. Ich erfuhr, dass die meisten der umliegenden Berge auf den Gipfeln noch verschneit sind, was eine Wanderung ohne Schneeschuhe gefährlich oder gar unmöglich machte. Er liess sich seine Vermutung mit einem Telefonat zu einem Berghütten-Besitzer abklären und bot mir daraufhin Alternativ-Routen weiter unten beim Dorf Lom an. Ich suchte mir die anspruchsvollste heraus, denn ich wollte mich bei meinen Wanderungen stetig steigern. Mit bester Aussicht und zusammen mit einer von Lorenzos Katzen genoss ich die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse, bevor ich ins Bett ging.

Der Tag startete mit reichlich Sonnenschein bei mässig warmen Temperaturen und leichtem Wind. Die Wanderung zum Lomseggen (1289 m.ü.M) stand auf dem Tagesprogramm. Ich ass ein reichhaltiges Morgenessen bevor ich hinunter ins Dorf Lom fuhr. Dort parkierte ich bei der Stabkirche und machte mich auf den ca. 9.5km langen Rundwanderweg. Vor mir lag ein ca. 3km langer Abschnitt und knapp 1000 Höhenmeter. Zuerst ging es durch den Wald. Schnell musste ich einige meiner Kleiderschichten ablegen. Doch sobald ich die Waldgrenze (ca. 800 m.ü.M) erreicht hatte, wurde es sehr windig und kalt, also zog ich mir wieder die wärmegebende Funktionskleidung über. Die letzten 300 Höhenmeter waren am steilsten und verschneit. Glücklicherweise waren Fussspuren im Schnee, welche mir den Weg wiesen, bereits festgefroren waren und somit halt boten. Bei einem markanten Felsvorsprung traf ich auf vier junge holländische Frauen, welche auch den Gipfel bezwingen wollten. Ich schoss für sie ein paar Fotos und ging alleine und abseits des Wanderwegs weiter hinauf. Es war nämlich unmöglich geworden, auf dem Schnee weiter zu laufen, da keine Fussspuren mehr vorhanden waren und es sehr steil und rutschig war. Die Frauen liess ich schnell hinter mir und kämpfte mich auf Flechten und Gestrüpp laufend Richtung Gipfel. Es war abenteuerlich, aber zu keinem Zeitpunkt gefährlich. Oben am Gipfel angekommen, wartete ich auf die Holländerinnen, um auch ihnen als Gipfelstürmer zu gratulieren. Wir nahmen dann gemeinsam die alternative Abstiegsroute in Angriff und machten bei der Smithbua, einer kleinen Schutzhütte aus Stein, eine Pause. Es war eine willkommene Abwechslung in Gesellschaft zu wandern. Wir plauderten viel übers Reisen, die jeweiligen Herkunftsländer und ihr Auslandsstudium. Nach insgesamt 5h Wanderzeit kamen wir beim Parkplatz an. Ich verabschiedete mich von Bente, Nicky, Marieke und June und bekam das Angebot, in ihrer Studentenwohnung übernachten zu dürfen, falls ich in Lillehammer vorbeikomme. Wir tauschten E-Mail Adressen und gingen getrennte Wege. Ich fuhr zurück zum Airbnb und ass eine grosse und nahrhafte Portion Nudeln mit Bolognese. Fix und fertig ging ich schlafen.

Aufgrund der guten Wettervorhersagen, hatte ich drei Nächte in Bøverdalen gebucht, um zwei volle Tage Wandern zu gehen. Jedoch machte meine körperliche wie auch mentale Verfassung einen Strich durch die Rechnung. Es war ein schöner Tag, perfekt um wandern zu gehen. Doch ich suchte vergeblich nach meiner Motivation. Die gestrige Wanderung steckte noch tief in den Muskeln und Heimweh machte sich in meinem Kopf breit. Ich hängte nur am Computer rum, was mich irgendwann wahnsinnig machte. Also beschloss ich doch noch etwas sinnvolles zu unternehmen und plante das kommende Wochenende und die anschliessende Woche. Ich buchte vier verschiedene Airbnbs. Das nächste Ziel in Nordre Vartdal in einem sehr günstigen Privatzimmer auf einem Hof, da das Wetter sehr regnerisch aussah. Ich wollte daraufhin so günstig wie möglich die Tage verbringen, also schien mir das die perfekte Lösung. Den restlichen Tag schrieb ich Tagebuch-Einträge und surfte im Internet.

Nordre Vartdal – 06.-09. Mai

Der Host Torsten in Nordre Vartdal hat mir geraten, auf der Hinfahrt den Briksdalsbreen zu besuchen. Ich folgte seinem Rat und nahm den Abzweiger bei Stryn durchs Briksdalen. Beim Parkplatz angekommen, regnete es. Es hielt mich jedoch nicht davon ab, den 30 minütigen Fussmarsch zum Gletscher auf mich zu nehmen. Man konnte auch mit umgebauten Golfplatz-Wagen zum Gletscherfuss hinauffahren, was die asiatischen Touristengruppen natürlich gerne in Anspruch nahmen. Beim Gletscher angekommen, traf ich das perfekte Zeitfenster zwischen zwei Touristengruppen und hatte freie Sicht auf den Briksdalsbreen. Ich macht ein paar Fotos und ging anschliessend zurück zum Auto. Die Fahrt nach Nordre Vartdal war regnerisch und ereignislos. Beim Hof von Torsten begrüsste mich seine Frau Astrid und lud mich in ihr Wohnzimmer ein. Torsten und seine vierjährige Tochter Hannah stiessen auch dazu. Wir redeten viel auf deutsch, da ich erfuhr, dass Torsten vor 20 Jahren aus Deutschland nach Norwegen ausgewandert war. Er zeigte mir anschliessend mein Zimmer. Es befand sich im alten Milchraum des Schafstalls, welcher er zu einem Zimmer mit Bett und einer kleinen Küche mit Dusche und WC umfunktioniert hatte. Sie besassen schon seit einigen Jahren keine Tiere mehr. Da der Hof viel Platz bot, verdienten sie sich mit Airbnb und Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobilen etwas dazu. Mir gefiel mein Zuhause für die nächsten Tage, da die Gastfreundschaft wahnsinnig herzlich war und ich mich sehr gut mit ihm auf Deutsch austauschen konnte.

Am nächsten Tag durfte ich mit der Familie einkaufen gehen, was natürlich wahnsinnig lehrreich für mich war. Torsten beantwortete alle meine Fragen zu den Lebensmitteln. Auf der Rückfahrt wollte ich von ihm und Astrid einiges über Norwegen wissen. Wir sprachen unter anderem über Politik, Wirtschaft, Schulsystem und alltägliche Dinge im Alltag eines Norwegers. Das Gespräch war sehr aufschlussreich. Ich schätzte den Umgang sehr, da es mir nach meiner langen Zeit alleine nun endlich einen ungefilterten Einblick in die norwegische Kultur bot. Es war sehr erfrischend, diese alltäglichen Dinge abseits des Tourismus zu erfahren. Ich lernte Torsten als einen wahnsinnig netten und einfach gestrickten Menschen kennen, welcher nicht davor zurückschreckte, mich in seinen Alltag zu integrieren, sofern ich das selbst auch wollte.

Es war Samstag und Hannah feierte ihren Kindergeburtstag mit zehn anderen Kindern und deren Eltern im Wohnhaus der Familie. Ich wurde natürlich auch eingeladen und ging kurz vor ende rüber ins Haus. Ich war kurzzeitig überfordert, da ich als einziger Single Mittezwanziger irgendwie so gar nicht ins Bild passte. Jedoch kam ich mit einem ausgewanderten Thailänder ins Gespräch, was mich etwas auflockerte. Anschliessend sah ich einer herzhaften Geste zu, bei dem sich die Kleinkinder in einen Kreis hockten und mittels Flaschendrehen ermittelten, welches Kind Hannah das nächste Geschenk überreichte. Nach einem Kaffee und Stück Kuchen klinkte ich mich wieder aus und wartete auf das Ende der Veranstaltung. Torsten hatte mich nämlich noch zu ATV (All Terain Verhicle) fahren eingeladen. Ich durfte bei ihm hinten auf den Zweisitzer-Quad aufsteigen und wir fuhren das nebenliegende Tal hinauf mit wunderbarem Blick auf das Sunnmøre Gebirge und dem Vartdalfjord. Im Gelände angekommen durfte ich alleine fahren, was mir reichlich Spass machte. Ich fuhr das Tal weiter nach oben, musste aber im Schnee wieder umdrehen, da die Reifen schon etwas runtergefahren waren und keinen Halt mehr boten. Zurück beim Hof trank ich einen Kaffee mit Torsten und seiner Frau Astrid und wir redeten über Norwegen bis in den späten Abend hinein.

Über dieses Tagebuch

Das ist mein digitales Reisetagebuch aus Norwegen. Ich fahre von April bis Juni 2019 durch ganz Norwegen – vom Süden bis in den hohen Norden. Wöchentlich schreibe ich einen Tagebuch-Eintrag über meine Erlebnisse und halte meine Eindrücke in der Foto-Galerie fest.
Viel Spass beim anschauen!

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© 2019 – Michael Egger