Vestbygd – 22.-26. April 2019
Nach dieser ereignisreichen Woche mit meinem Vater entschloss ich mich, «Ferien in den Ferien» zu machen. Ich buchte für knapp eine Woche ein Airbnb direkt an der Küste und in der Nähe des Leuchtturms Lista Fyr. Meine Absicht war, ein paar entspannte Tage am Meer zu verbringen. Ich fuhr in knapp 2h auf die Halbinsel Farsund ins kleine Dörfchen Vestbygd. Dort angekommen begrüsste mich Alfred, ein bekannter norwegischer Maler, Künstler und Besitzer des Gästehauses. Ich hatte das ganze Haus für mich alleine, da er keine anderen Gäste erwartete. Seine Werkstatt befand sich gleich neben dem Haus und den Leuchtturm konnte ich vom Balkon aus sehen. Nach einem kurzen Gespräche mit Alfred trug ich meine Sachen ins Haus und kochte daraufhin mein Abendessen. Anschliessend fuhr ich zum Leuchtturm, um den Sonnenuntergang am Horizont bestaunen zu können und einige Fotos zu machen.
Die Wetterprognosen für die kommenden Tage waren durchzogen mit heftigen Windböen und Regen. Also beschloss ich den heutigen sonnigen Tag zu nutzen und machte einen Spaziergang am Steinstrand beim Lista Fyr. Es war bereits sehr windig, was einen tollen Wellengang hervorrufte und spannende Fotos zuliess. Durch die vereinzelten Wolkenbewegungen, hatte ich wechselnde Lichtverhältnisse vor der Linse. Das machte das Fotografieren noch spannender. Rund um den Leuchtturm fand ich immer wieder Überreste alter deutscher Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg. An einem lauschigen Plätzchen setzte ich mich hin und schaute aufs offene Meer hinaus. Ich liess meine Gedanken treiben und vergass irgendwann die Zeit. Das war genau die Entschleunigung, welche ich gesucht habe. Zurück beim Gästehaus traf ich Alfred an. Wir plauderten ein bisschen und er schlug vor, am nächsten Tag seine Galerie nicht weit von hier zu besuchen und anschliessend das dortige Fort Nordberg anzuschauen. Er würde das Galerie-Gebäude exklusiv für mich öffnen. Diese Einladung konnte ich nicht verneinen.
Ich schlief sehr lange und brunchte anschliessend gemütlich in den Tag hinein. Um 3 Uhr verabredete ich mich mit Alfred. Er kam vorbei und ich folgte ihm anschliessend mit meinem Auto, da er mir nur kurz die Galerie zeigen konnte und nachher noch Termine hatte. Somit hatte ich im Anschluss an die Führung Zeit, in aller Ruhe das Fort Nordberg zu besichtigen. Alfred wusste vieles über die Kunstgeschichte der Ausstellung und kommentiere motiviert die gesehenen Bilder und Skulpturen. Es war sehr spannend und lehrreich. Er verabschiedete sich daraufhin und ich lief den angrenzenden Hügel hoch um mir das Fort anzuschauen. Es war sehr gut erhalten und gewährte mir Einblicke in die Schützengräben und Geschützstellungen. Sogar die alten Verpflegungs- und Schlafbaracken waren vorhanden. Die Gebäude wurden restauriert und neu bemalt. Leider waren sie verschlossen, doch ein Blick durch die Fenster des Sanitär-Gebäudes, gewährte mir ein Einblick in die alten Dusch- und Toilettenkabinen. Man konnte oben auf dem Hügel durch das Schützengraben-Labyrinth laufen und am höchsten Punkt hatte man eine tolle Aussicht auf die Küstenlinie rund um das Fort. Ich machte ein paar Fotos und musste wieder zurück zum Auto, da mir der heftige Wind den einsetzenden Regen ins Gesicht peitschte. Ich fuhr die kurze Strecke zurück zum Gästehaus und verbrachte den restlichen Abend mit der Planung für die Folgewoche mit meiner besten Freundin Melanie, welche mich hier in Norwegen besuchen wird.
Die Nacht war stürmisch und regenreich. Bei jeder heftigen Böe bebte das Haus, was mich aber nicht von einem tiefen Schlaf abhielt. Der Regen zog sich durch den Tag, also blieb mir vorerst nichts anderes übrig, als mich vor den Computer zu setzen und an meinem Tagebuch zu arbeiten. Alfred gab mir in der Zwischenzeit noch den Tipp das nicht weit entfernte Varnes Fort zu besichtigen. Ich wartete also ab bis der Himmel aufklarte und fuhr kurz vor 6 Uhr abends los. Die Fahrt auf dem Kieselweg, an Bauernhöfen vorbei mit Sicht auf das Meer, war malerisch. Kurz vor dem Fort befand sich der kleine Parkplatz. Ein 30-minütiger Marsch durch einen moosbewachsenen Wald und schon stand ich vor einer alten 105mm Kanone mit 16km Reichweite, eingelegt im Steinhügel mit Ziel auf das Meer. Es war erstaunlich, diese gut erhaltene Kanone zu betrachten. Aufgrund der Zeit und des Wetters, hatte ich das ganze Fort für mich alleine. Ich setzte mich auf die Mauer einer tiefer gelegenen Geschützstellung, blickte auf das Meer hinaus und erfreute mich dem Lichtspiel der Abenddämmerung. Gerne wäre ich bis in die Nacht hinein dort geblieben, doch zwang mich mein knurrender Magen auf den Rückweg. Nach dem Abendessen buchte ich meine Übernachtung in Kristiansand, da ich dort am kommenden Samstag Melanie abholen werde. Alfred gab mir noch den kostbaren Tipp, den Leuchtturm bei Nacht in völliger Dunkelheit zu besuchen. Also fuhr ich kurz nach Mitternacht zum Leuchtturm und traf auf ein Lichtspektakel, welches jenseits meiner Vorstellungskraft lag. Es hatte etwas magisches, die Lichter des Leuchtturms alleine und in völliger Stille zu betrachten. Ich machte wunderschöne Langzeitaufnahmen und legte mich nach der Rückkehr zufrieden ins Bett.
Kristiansand – 26.-27. April 2019
Mein Tag startete mit einer schlechten Nachricht. Ich erfuhr, dass die Piloten der SAS Fluggesellschaft einen Streik antraten. Dies bedeute, dass die Flüge von Melanie gefährdet waren. Da ich wusste, dass Melanie den ganzen Tag keine Zeit für Abklärungen hatte, schrieb ich unserem gemeinsamen Reiseberater eine E-Mail mit der Bitte, ihre Flüge umzubuchen. Ich verbrachte den ganzen Morgen mit schreiben und alternativ Planungen für die Ankunft von Melanie. Alfred war so lieb und gewährte mir einen späteren Check-Out, damit ich genügend Zeit für die Abklärungen hatte. Nachdem ein Plan mit diversen Worst-Case-Szenarien (Ankünfte in anderen Zieldestinationen als Kristiansand) in Absprache mit Herr Kaufmann von RMR geschmiedet war, fuhr ich zurück nach Kristiansand. Dort checkte ich in das kleinste Airbnb-Studio ein, welches ich je gesehen habe. Ein Zimmer mit Bett, Couch und Küchennische und eine winzig kleines Bad mit Waschmaschine und Dusche waren völlig ausreichend für meine Übernachtung im Haus von Jannicke. Mein Abendessen nahm ich im nahgelegenen McDonalds zu mir. Die Bestätigung für eine erfolgreiche Umbuchung nach Kristiansand erleichterte mir dann das einschlafen.